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Insolvenzverwalter/Treuhänder - die Unterschiede im eröffneten Insolvenzverfahren

Quelle: InsbürO 2007, 199

 

Kurzdefinition

Im eröffneten Regelinsolvenzverfahren werden die Aufgaben einem Insolvenzverwalter übertragen, während der Verwalter im eröffneten Verbraucherinsolvenzverfahren als Treuhänder bezeichnet wird. Dieser Treuhänder unterscheidet sich von einem Insolvenzverwalter insbesondere dadurch, dass er nicht berechtigt ist, Insolvenzanfechtungen vorzunehmen und auch das mit Absonderungsrechten belastete Vermögen des Schuldners nicht verwerten darf.

 

Erläuterung

In Zusammenhang mit einem Insolvenzverfahren wird zumeist von dem Insolvenzverwalter gesprochen. In der InsO und in der Praxis taucht jedoch anstelle des Begriffs Insolvenzverwalter häufig auch der des Treuhänders auf. Irritierend ist auch, dass in manchen Verfahren aus einem Insolvenzverwalter später ein Treuhänder wird, obwohl es sich weiterhin um dieselbe Person handelt. Daher sollen die Unterschiede zwischen einem Insolvenzverwalter und einem Treuhänder herausgestellt werden. In der KO gab es nur einen Konkursverwalter. Andere Figuren, denen ein Amt wie das des Konkursverwalters übertragen worden wäre, gab es nicht. Der Insolvenzverwalter ist der Nachfolger des Konkursverwalters. Soweit zwischen diesen beiden Unterschiede bestehen, entstanden diese daraus, dass mit der InsO versucht wurde, Verbesserungen gegenüber der KO einzuführen. Durch die InsO wurden neben dem Insolvenzverwalter noch der Treuhänder, der vorläufige Insolvenzverwalter und der Sachwalter geschaffen.

Es gibt zwei Treuhänder mit unterschiedlichen Aufgaben

Ein Treuhänder taucht in der InsO in zwei Bereichen auf: einmal im sog. Verbraucherinsolvenzverfahren und andererseits im Entschuldungsverfahren nach den §§ 286 ff. InsO. Das Entschuldungsverfahren kann sich sowohl an ein eröffnetes Regelinsolvenzverfahren als auch an ein eröffnetes Verbraucherinsolvenzverfahren anschließen. Der Treuhänder des Entschuldungsverfahrens ist jedoch von einem Treuhänder im Verbraucherinsolvenzverfahren zu unterscheiden. Nachfolgend soll auf den Treuhänder im Entschuldungsverfahren nicht näher eingegangen werden.

Unterscheidung Verwalter/ Treuhänder nach dem Verfahrensrecht

Der wesentliche Unterschied zwischen einem Insolvenzverwalter und einem Treuhänder im eröffneten Verfahren beruht auf der im Einzelfall zu treffenden Unterscheidung zwischen einem Regelinsolvenzverfahren und einem Verbraucherinsolvenzverfahren.

Im Regelinsolvenzverfahren wird die Verwaltung des Vermögens des Schuldners einem Insolvenzverwalter übertragen, in einem Verbraucherinsolvenzverfahren einem Treuhänder. Daher kann bereits daraus, dass ein Insolvenzverwalter auftritt, darauf geschlossen werden, dass das Insolvenzgericht von einem Regelinsolvenzverfahren ausging.

Angesichts der identischen Bezeichnung als Treuhänder im eröffneten Verbraucherinsolvenzverfahren und im Entschuldungsverfahren kann nur dann sicher auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren geschlossen werden, wenn bekannt ist, ob das eröffnete Insolvenzverfahren bereits abgeschlossen wurde oder nicht.

Verwalter und Treuhänder haben unterschiedliche Rechte

Der Treuhänder im eröffneten Verbraucherinsolvenzverfahren unterscheidet sich von einem Insolvenzverwalter nicht allein durch die Bezeichnung, sondern insbesondere dadurch, dass die InsO ihm gegenüber einem Insolvenzverwalter geringere Rechte und Aufgaben zubilligt.

Ein Treuhänder ist nicht zu Insolvenzanfechtungen berechtigt

Nach § 313 Abs. 2 InsO ist ein Treuhänder nicht berechtigt, Insolvenzanfechtungen nach den §§ 129 - 147 InsO vorzunehmen. Während im Regelinsolvenzverfahren die Entscheidung über eine Insolvenzanfechtung nach § 129 InsO dem Insolvenzverwalter obliegt, sind im Verbraucherinsolvenzverfahren die einzelnen Insolvenzgläubiger berechtigt, die Anfechtungen vorzunehmen. Die Gläubigerversammlung kann jedoch den Treuhänder aber auch einen bestimmten Gläubiger mit den Anfechtungen beauftragen.

Keine Verwertung durch den Treuhänder bei Absonderungsrechten

Auch die nach § 166 dem Insolvenzverwalter zustehende Verwertungsberechtigung hinsichtlich der mit Absonderungsrechten belasteten Gegenstände ist dem Treuhänder im Verbraucherinsolvenzverfahren durch § 313 Abs. 3 InsO entzogen.

Hinsichtlich der Verwertung des unbelasteten Vermögens, der Entgegennahme der Forderungsanmeldungen usw. besteht kein Unterschied zwischen Insolvenzverwalter und Treuhänder im eröffneten Verfahren.

Die Vergütung des Treuhänders wird anders berechnet

Die benannten Unterschiede wirken sich für den Treuhänder im eröffneten Verfahren insbesondere in seiner Vergütung aus. Für den Treuhänder im eröffneten Insolvenzverfahren gilt nicht § 2 InsVV mit einer Eingangsvergütung von 40 % der Insolvenzmasse, welche sich je nach Umfang der Masse auf einen Anteil von 0,5 % absenkt, sondern die Sonderregelung des § 13 InsVV, der einen festen Anteil von 15 % der Insolvenzmasse als Regelvergütung vorsieht.

Der Verzicht auf eine Absenkung des Bruchteils entsprechend der Regelung in § 2 Abs. 1 InsVV wirkt sich für einen Treuhänder erst ab einer Masse von mehr als 159.375 EUR positiv aus. Unterhalb dieser Größe wird ein Treuhänder immer weniger als ein Insolvenzverwalter erhalten. Auch die Mindestvergütung des § 13 Abs. 1 InsVV beginnt bei einem Betrag von nur 600 EUR , während die Mindestvergütung eines Insolvenzverwalters nach § 2 Abs. 2 InsVV 1.000 EUR beträgt.